Auf der Ausstellung


 

An dieser Stelle ein paar Überlegungen, die natürlich nicht vollständig sind, aber vielleicht  die Neugier auf "mehr" wecken. 

Vielleicht sieht man sich ja demnächst auf einer Hunde-Ausstellung! 

Wir würden uns sehr freuen darüber. 

 

Die Richter 

Meist von weit angereist, nehmen sie sich geduldig Zeit, einen Hund nach dem anderen fachkundig anzuschauen und zu bewerten. Später im Ehrenring haben sie die nicht immer einfache Entscheidung zu fällen, welche Hunde auf die vorderen Plätze kommen. 

Des Öfteren habe ich gehört, daß Richter beklagen, daß die Hunde und die Herrchen und  Frauchen am anderen Ende der Leine ungenügend vorbereitet sind. Besonders in der Baby und Jüngsten-Klasse gibt es immer wieder putzige Wollknäule, die sich auf dem   Boden herum lümmeln und keine Anstanden machen, ein paar Meter zu laufen. Wie soll ein Richter diesen kleinen hübschen Kerl bewerten? 

 

Die Aussteller 

Es ist die Aufgabe des Ausstellers, seinen Hund so vorzuführen, daß sich dieser von seiner besten Seite im Ring zeigt. Wenn wir "cool" bleiben, dann wird auch unser Hund  sich nicht aufregen. (Es wurde ja alles gut zuhause geübt!!!). Die Kleidung sollte zweckmäßig und ordentlich sein. (Keine Jogging-Anzüge, bedenke noch: ein schwarzer Hund vor schwarzen Hosenbeine wird „unsichtbar“, ein weiter und langer Rock läßt einen kleinen Hund bei dem ersten Windstoß eventuell darunter verschwinden, Schuhe mit rutschfesten Sohlen erweisen sich nützlich auf Parkett und wir sind auf keiner Modenschau -unser Hund soll bewertet werden) Auch wenn der Hund die tollsten Leinen sein eigen nennt, im Ausstellungsring werden einfache Leinen benutzt (am besten eine Ausstellungsleine), die wenig auffallen (und sauber sind) und schnell zum anlegen. Also keine breiten Halsbänder, keine Brustgeschirre und keine Hundehalstücher. Die Farbe der Leine sollte der Fellfarbe (Nackenhaare) des Hundes angepasst sein. Nichts soll den Blick des Richters von unserem Hund ablenken. Den Anweisungen des Richters ist Folge zu leisten und daß sich Aussteller untereinander fair verhalten wird vorausgesetzt und sollte selbstverständlich sein (z. B. Abstände einhalten und keine blöden Bemerkungen im Ring). 

 

Die Hunde 

Das positive Bild eines sehr gut gepflegten Ausstellungshundes ist ein freudiger und aufmerksamer Hund, der unverkrampft, souverän und kontrolliert an lockerer Leine läuft und sich im ruhigen Stand stolz und aufrecht präsentiert. Die Aufmerksamkeit des Hundes sollte von seinem Herrchen jederzeit abrufbar sein. Ein Ausstellungshund muß sich ohne Gegenwehr vom Richter berühren, abtasten und das(gepflegte!) Gebiss kontrollieren lassen. Knurren, Bellen oder nach der Richterhand beißen kann einen Ringverweis nach sich ziehen und die Disqualifikation. 

Zu "gepflegter Hund" 

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, daß man seinen Hund regelmäßig pflegt und für die Ausstellung wird das alles noch einmal genau überprüft: 

Sind die Ohren sauber, keine Tränenaugen (Augenwinkel auswischen), Zahnstein entfernt und Zähne geputzt (Besonders bei den Kleinhunden muß auf die Zahnpflege geachtet werden, sonst droht Zahnfleisch-Entzündung mit üblem Mundgeruch und frühzeitiger Zahnverlust!), ist die Analregion sauber und bei Rüden -kein Pipigelb, ist das Fell gut durchgebürstet und sind alle Filzstellen beseitigt (bei Langhaarhunden hinter den Ohren zwischen den Vorder-und Hinterbeinen, an den Hosen, Liegestellen), muß ich meinen Hund eventuell baden (man badet seinen Hund nicht so oft, aber wenn weißes Fell nicht mehr weiß sondern gelb ist oder der Hund stinkt, dann ist es allerhöchste Zeit!), überprüfen ob die Nägel auf die richtige Länge ein gekürzt und die Ballen gepflegt sind. Dazu kommt noch die rassetypische Pflege, Schur, Haarschnitt oder Style. 

 

Erste Übungen 

Schon früh wird angefangen zu üben. Natürlich wird ein kleiner Welpe N I E überfordert. Wenn man Glück hat, hat der Züchter bereits eine kleine Vorarbeit geleistet und ist bereit, sein Ausstellungswissen weiterzugeben. In ruhiger Atmosphäre wird der kleine Kerl auf eine rutschsichere Unterlage gestellt und überall am Körper angefasst und mit ihm geschmust. Er muß langsam die Angst vor der Höhe des Tisches verlieren. (Mit groß werdenden Hunden übt man auf dem Boden, denn die werden später nicht auf einen Tisch gehoben, sondern am Boden stehend gerichtet.) Langsames Aufbauen (nicht alles auf einmal üben, die Ruhe bewahren, alles spielerisch angehen und immer beruhigend auf den kleinen Liebling einwirken): Köpfchen und Rute werden "hochgestreichelt", Vorderpfoten platzieren, Hinterläufe stellen und bei jedem noch so kleinen Erfolg – loben, loben, loben und das vorbereitete Leckerli S O F O R T geben. Das Timing ist wichtig! 

 

Kontrolle des Gebisses: 

einseitig und vorsichtig beginnen. Ein eingeschüchterter und ängstlicher Welpe kann nicht selbstsicher stehen. Hier ist unsere Ausdauer und Geduld gefragt, die sich später vielfach auszahlen wird. Mehrfach am Tag ein paar Sekunden/Minuten üben ist viel besser als zu lange Trainingsintervalle. Ich "MUSS üben“ wird immer Stress für Hund und Mensch bedeuten. Werden die paar Übungsminuten zwischendurch zur Routine, machen sie gute Laune und Spaß für Mensch und Hund und damit lernt es sich um ein vielfaches besser. Erst wenn eine Übung 

wirklich abrufbar ist (klappt 8 mal von 10 Versuchen) wird an die nächste Übung gegangen. Klappt eine Übung in gewohnter Umgebung, wird das Ganze mit Ablenkung trainiert (verschiedene Orte, fremde Personen in der Nähe des Hundes, fremde Personen fassen den Hund an). Solche Vorbereitungen für das optimale Stehen kann man nicht schnell mal vor einer Ausstellung üben, das braucht ruhige Planung und Vorgehensweise. 

 

Weitere Übungen: 

Bei Fuß Gehen mit durchhängender Leine, zwischen anderen Hunden hindurchgehen ohne zu bellen oder spielen zu wollen, Kopf und Rute freudig und aufrecht tragen erreicht man über Leckerli-Motivation (besondere Leckerlis nehmen z.B. Hühnerbrust in Ministückchen). Das wichtigste am Training ist es, die Aufmerksamkeit unseres Hundes immer abrufen zu können, damit alles um ihn herum unwichtig wird, wenn wir mit unserem Hund kommunizieren wollen. 

 

Impfungen 

Die Hunde müssen einen gültigen Impfschutz haben – Impf Buch mitbringen. 

 

Im Ring 

Die Startnummer wird gut sichtbar getragen. Sicherheitsnadel also immer dabei haben. Die beste Stelle für die Startnummer ist der linke Oberarm. So ist die Nummer für den Richter immer sichtbar. Man kann seine Startnummer auch an der linken Brustseite 

befestigen. Der Hund wird immer an unserer linken Seite geführt und wir laufen im Ring immer links herum (entgegen dem Uhrzeigersinn)

I M ME R! (Auch wenn sich der Drehwurm meldet!). Auf diese Weise verdecken wir unseren Hund nicht und er ist immer dem 

Richter zugewandt. Wir führen unseren Hund im motivierten Trab vor – bei Fuß, die Leine ist locker, baumelt dem Hund aber nicht um den Kopf herum. Wir richten uns natürlich nach der Hunderasse, die wir an der Leine führen, das heißt, daß bei mittelgroßen und großen 

Hunden gejoggt werden muß. Schön, wenn Hund und Mensch sich darauf vorbereit haben und beide eine gute Kondition aufweisen. Wir halten die Reihenfolge ein, nur in Ausnahmefällen darf überholt werden (z. B. der Hund vor uns geht nicht weiter). Der Richter möchte den Hund von vorne, von der Seite und von hinten sehen können. 

Im Ring bellt unser Hund nicht, er spielt nicht, er springt nicht hoch und beißt auch nicht in die Leine, er knurrt nicht, pinkelt und kackt nicht, er zieht nicht an der Leine und setzt sich auch nicht hin. – Wir sind dafür verantwortlich, was unser kleiner Racker im Ring zeigt!!! -und ob wir ihn motivieren können! Hier zeigt sich das Ergebnis von unseren Übungs-Bemühungen: Immer wieder, an verschiedenen Orten, unter unterschiedlichen Bedingungen und immer mit viel Geduld! 

Auch wenn er noch so schön und typvoll ist und einen tollen Richterbericht schon sein eigen nennt, im Ehrenring kann er einfach nicht bestehen, wenn er nicht richtig motiviert werden kann, denn hier läuft er gegen die Besten der Besten. 

 

Was wir dabei haben sollten 

unseren Hund natürlich, Wassernapf, Wasser, gewohntes Futter, Leckerli, Decke, Pflegeutensilien, Box oder Gehege oder Buggy, Ausstellungsleine, evtl. Sonnenschirm, Sitzgelegenheit (meist sind die Ausstellungen aber bestuhlt), Fahrplan, wo findet denn die Ausstellung statt, Überweisungsbeleg falls wir im voraus bezahlt haben, Anmeldung, Impfausweis, Abstammungspapiere, auch an die eigenen Bedürfnisse muß gedacht werden: evtl. Kopfschmerztabletten und was gegen Übelkeit, Schuhe die nicht rutschen, habe meist noch Klamotten dabei zum Wechseln (falls unserem Hund ein Missgeschick passiert und wir etwas davon abbekommen), Küchenrolle, Plastikbeutelchen – wir 

räumen das Häufchen unseres Hundes weg. 

Meist ist auf den Ausstellungen für unser Wohl gesorgt und es gibt Essen und Trinken zu annehmbaren Preisen. 

Ich habe versucht einen kleinen Einblick in das Ausstellungswesen zu verschaffen. Natürlich kann es nicht vollständig sein, denn jeder hat seine eigenen Bedürfnisse, Vorstellungen und Trainingsmethoden, sowie der Mensch als auch unser Hund. Vieles kann man sich bei erfolgreichen Ausstellern abgucken wenn man mit offenen Augen hinschaut und außerdem ist für einem selbst der eigene Liebling sowieso der Schönste. 

Mit freundlicher Genehmigung von Silvia Fiedler übernommen und von mir überarbeitet.